Die Grundidee

Bei Bekannten sah ich im Jahr 2000 einen kleinen Wohnzimmertisch, bei dem sich unter der Tischplatte aus Glas eine Schublade befand, die mit verschiedenen Gegenständen ansprechend dekoriert war. Als Modelleisenbahner kam mir dabei der Gedanke, dieses Konzept für eine Anlage zu nutzen. Ich hatte bis dato nur Erfahrungen im Anlagenbau in H0, doch diese Spurgröße war für mein Projekt natürlich zu groß. Da es für Z zuwenig Zubehör gibt, entschied ich mich für Spur N.

Auf Modellbahnbörsen kaufte ich mir im Herbst 2000 alles erforderliche wie Gleise, Loks, Waggons, Gebäude, Bäume, Autos, Figuren usw. Den Tisch baute ich selbst zusammen, denn in der vorgesehenen Größe war in Möbelhäusern nichts geeignetes erhältlich. Das Hauptproblem stellte die Tischplatte dar. Sie musste einerseits natürlich durchsichtig sein, andererseits aber aus möglichst unempfindlichem Material bestehen - schließlich sollte der Tisch ja im Alltag genutzt werden. Und zu guter Letzt sollte alles auch in einem vernünftigen finanziellen Rahmen bleiben. Ich fand schließlich einen Baumarkt, der Plexiglasscheiben von 8mm Stärke anbot und diese auf Maß zuschnitt. Damit war das Problem gelöst. Allerdings stellte sich heraus, dass die Plexiglasscheibe stärker durchhing als erwartet. Ich löste dieses Problem durch eine Stütze in der Mitte, die beim Hineinschieben der Eisenbahnplatte auf einer kleinen Rampe hochfährt und so die nötige Stabilität verleiht. Die Stütze ist in einem der Hochhäuser untergebracht und fällt dadurch nicht allzu sehr auf.

Die Hohlräume zwischen der Plexiglasplatte und dem Rahmen dichtete ich mit Silikon ab, so dass die Eisenbahn auch keinen Schaden nimmt, wenn auf dem Tisch mal ein volles Glas umgekippt wird (was damals bei zwei kleinen Kindern schon mal vorkam). Die Anlage selbst wird nach Abnehmen einer Seitenwand wie eine Schublade aus dem Tisch gezogen. Meiner Ansicht nach ist dieser Aufbau der sinnvollste, denn nur so ist ein Zugriff auf die unter der Anlagenplatte befindliche Verkabelung gewährleistet.

Der Gleisplan

Ich gab nach einigem Herumexperimentieren den Versuch auf, für die zur Verfügung stehende Fläche von 125 x 76 cm einen Gleisplan zu entwerfen, der einerseits wirklichkeitsnah sein sollte, andererseits aber auch noch einigen Fahrspaß zu bieten vermochte. Da in der Realität keine Eisenbahn nur im Kreis herumfährt, wäre eine naturgetreu wirkende Gleisführung nur durch das Verstecken großer Gleisteile möglich gewesen. 

Tunnel sollten dabei aber mindestens so lang sein, dass der ganze Zug in der Tunneleinfahrt verschwunden ist, bevor die Lok auf der anderen Seite wieder herauskommt. Hätte ich diese Grundregel befolgt, wären rund 50% der Fahrstrecke verdeckt gewesen. Das wollte ich nicht, denn der Betrachter soll sich auch an den fahrenden Zügen erfreuen können. Konsequenz war, zunächst einen Gleisplan mit viel Fahrmöglichkeiten zu entwickeln und dann die Natur "drumherum" zu gestalten.

Der daraufhin entstandene Gleisplan sah den Fahrbetrieb in lediglich eine Richtung vor. Rückwärtsfahren und Rangieren waren nicht möglich. Auf der Anlage konnten die drei vorhandenen Züge auf "eigenen" Kreisen fahren, ohne dabei Gleise teilen zu müssen. Dies ermöglichte viel Fahrbetrieb ohne zwischenzeitliches Eingreifen.


 

 2011 war nach über 10 Jahren ein modellbahnerischer Tapetenwechsel fällig. Ich erinnerte mich meiner zahlreichen Relikte aus vergangenen H0-Zeiten, die im Keller unbeachtet ein trauriges Dasein fristeten. Schnell stand der Entschluss fest, die N-Anlage im Tisch gegen etwas in H0 auszutauschen. Da die vorgegebenen Grundmaße von 125 x 76 cm bestenfalls ein eintöniges und unrealistisches Oval für eventuellen Fahrbetrieb zuließen, verzichtete ich ganz darauf, Züge auf der Anlage kreisen zu lassen. Es wurde also ein Diorama. Hierdurch konnte ich auch auf eine Verkabelung unter der Platte verzichten. Das brachte immerhin etwa einen Zentimeter Höhe. Nicht zu unterschätzen, denn schließlich hatte ich nur ca. 12 cm nach oben zur Verfügung - ein Umstand, der die Auswahl der Gebäude und Bäume erheblich einschränkte. Wie bei der N-Anlage wählte ich die Epoche IV. Hinzukaufen musste ich lediglich einige Modellautos, Straßenlampen und Figuren, so dass der Bau zwar zeit- aber nicht kostenintensiv wurde. Der größte Posten im Budget war der Austausch der nach einem Jahrzehnt von Gebrauchsspuren gezeichneten Plexiglasplatte. Die neue Platte hat abgeflachte Kanten und ist dadurch deutlich besser abzuwischen. Was mir noch nicht so ganz gefällt ist, die Auswahl der Lokomotive. Einerseits finde ich die 160 von Röwa vor den beiden „Donnerbüchsen“ sehr hübsch, andererseits bräuchte diese E-Lok natürlich eine Oberleitung. Da ich hier aber eine Nebenstrecke mit wenig Zugverkehr darstellen wollte, wäre eine Oberleitung unrealistisch. Reizen würde mich ja als Alternative eine BR064 von Roco – aber die kostet derzeit knapp 200,- Euro, das ist mir dann für eine Lok, die nicht fährt doch etwas zuviel.